Du musst vergeben Natasha Lyonne wenn sie heute unglücklich ist. Sie hat tatsächlich mit dem Rauchen aufgehört, was keine Kleinigkeit ist für jemanden, der so synonym mit Verhalten ist, dass es eine Instagram-Story der Coolness gewidmet, mit der sie eine Flucht unternimmt.
„Ich schiebe den Abschied auf“, erzählt sie mir und zeigt auf die kleine Packung Nicorette auf dem Couchtisch in ihrer Wohnung im East Village. „Ich bin von Natur aus auf selbstverletzende Krücken eingestellt. Ich bin froh über meine Sucht.“
Sie gibt zwar zu, dass ein heftiger Nikotinentzug „berghohe“ Folgen hat, doch die Vorteile überwiegen bei weitem die Schmerzen (und das jetzt auch noch, sagt sie sich).

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„Es könnte ein Symptom dafür sein, dass man sich an einem anständigen Ort ohne Vorurteile befindet“, sagt sie über den Grund für den allmählichen Verzicht. „Ich versuche, das methodisch künstlerisch und emotional zu thematisieren. Ich versuche, mich zu revanchieren und beharre darauf: ‚Okay, vielleicht habe ich noch ein bisschen länger die Hälfte meiner Existenz.‘“
„Immer noch eine gute Wette“ ist eine Untertreibung für Lyonnes berufliches Comeback.
Die 43-jährige Schauspielerin war schon immer im Verborgenen präsent, doch ihre Anfänge in Hollywood waren geprägt von Auftritten als große Stars in weniger bekannten Independent-Filmen wie „Slums of Beverly Hills“ (1998) und „But I’m a Cheerleader“ (1999). Und natürlich spielte sie die witzige Jessica in „American Pie“, wurde aber einst von Ensemblegrößen (Jason Biggs, Tara Reid, Seann William Scott, Alyson Hannigan und Chris Klein) in den Schatten gestellt.
Die Popkultur hat Lyonnes unkonventionellen Charme noch nicht entdeckt, was zum Teil daran liegt, dass sie sich endlich als einflussreiche Persönlichkeit etabliert hat. Sie war Mitschöpferin des Netflix-Erfolgs „Russian Doll“ aus dem Jahr 2019, einer existenziellen Zeitschleifen-Komödie, die Lyonne für ihre Schauspielkunst und ihr Drehbuch Emmy-Nominierungen einbrachte. Als abgestumpfte, unkonventionelle New Yorkerin Nadia Vulvokov, die zu Beginn der Serie ihren 36. Geburtstag im Stil von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ noch einmal erlebt, nutzt Lyonne die Plattform, um ihre spektakuläre Bandbreite zu zeigen – mit der Fähigkeit, einen Einzeiler nach dem anderen zu liefern und im nächsten die Tiefen des generationsübergreifenden Traumas ihrer Figur auszuloten.
„Die Leute sind offen für meine Exzentrizität und Eigenart“, sagt sie, während sie in einem regenbogengestreiften T-Shirt und einer Hose auf ihrem Sofa lümmelt. „Es ist wirklich merkwürdig, dass die Leute, als ich 40 wurde, sagten: ‚Wir freuen uns darauf.‘“
Selbst nach dem Durchbruch ihrer Serie, sagt sie, waren die Macher nicht begeistert von der Zusammenarbeit mit ihr. Sie glaubt, den Grund dafür zu kennen: Wenn Männer für einen Bruchteil der zeitgeistigen Unterhaltung schreiben, unterrichten und Regie führen, „kommen alle aus ihren Löchern gekrochen, um Anerkennung zu bekommen: ‚Wie viele neue Rollen können wir Ihnen anbieten?‘“, meint sie.
Aber bei einer Frau „ist es, glaube ich, genau umgekehrt. Wenn Frauen viele dieser Jobs machen, kann es passieren, auch wenn alle Einzelteile einschüchternd wirken“, sagt sie. „Bei all der Aufregung um die erste Staffel von ‚Matrjoschka‘ war es für Rian am einfachsten, zu mir zu kommen und zu sagen: ‚Trotz aller Einzelteile versuche ich, etwas zu erreichen, das wir gemeinsam erreichen können‘“, woraufhin er sie umarmte.
Lyonne bezieht sich auf „Pokerface, eine Schiffbruch-der-Woche-Krimiserie von Rian Johnson, Autor und Regisseur von „Knives Out“ und „Glass Onion“. Obwohl sie in der Peacock-Serie von szenenraubenden Gaststars umgeben ist – darunter Cut Nolte, Chloë Sevigny, Joseph Gordon-Levitt und Hong Chau – dient „Poker Face“ dazu, Lyonnes verborgene Anziehungskraft hervorzuheben.
Sie spielt Charlie Cale, deren Fähigkeiten als echte Lügendetektor-Expertin sie auf die Überholspur und in den Bann einer ungewöhnlich hohen Zahl gewaltsamer Todesfälle bringen. Auch in der Hochsaison des Fernsehens sind Einschaltquoten selbst mit hochkarätigen Talenten keine Garantie, doch „Poker Face“ hat es geschafft – die Serie wurde bereits für eine zweite Staffel verlängert.
„Ich hatte die Idee, etwas im Stil von ‚Rockford Records‘ oder ‚Columbo‘ zu machen, und ich habe diese Auftritte immer als charismatische Persönlichkeit im Kern gesehen“, sagt Johnson. „Sobald ich Natasha in ‚Russian Doll‘ bemerkte, konnte ich meine Augen nicht mehr von ihr lassen.“
Lyonne strahlt eine mühelos coole Ausstrahlung aus, daher ist es ein kleiner Schock, wenn sie sagt, dass ihre Hollywood-Persönlichkeit nicht zu ihr passt. Trotz allem geht sie ihr Handwerk äußerst kalkuliert an. Sie arbeitet sogar mit einem Schauspiellehrer, den Sam Rockwell engagiert hat, um sicherzustellen, dass Charlie nicht mit Nadia in „Russian Doll“ oder ihrer abwechslungsreichen Fernsehshow als Nicky Nichols in „Orange Is the Unusual Dusky“ verwechselt wird.
„Weil ich große, lockige Haare und einen ungewöhnlichen York-Akzent mag, könnte man meinen, meine Zwangsstörung sei nicht stabil, weil sie so stark ist“, sagt sie. „Aber ich bin besessen von Präzision. Trotz aller Details mache ich den Rest nicht wirklich chaotisch, komplex oder unordentlich. Ich schätze Dinge, die akribisch, fast mathematisch sind.“
Sie sieht sich in ihrem Wohnzimmer um. „Es gibt Bücher für jeden Zweck, und es scheint, als würden sie nicht geschätzt“, sagt Lyonne und zeigt auf das Regal hinter ihr. „Aber abgesehen davon herrscht in der Wohnung kein Durcheinander.“
Lyonne redet während unseres Interviews ausführlich, kommt kaum zum Luftholen, und ihre Vorschläge sind so dreh- und drehfreudig, dass es schwerfällt, die Frage zu verteidigen, die sie im Kopf beantwortet. Einmal hält sie mitten im Satz inne und sagt: „Viel Glück beim Kürzen auf den Stil, von dem dieses Fragment angeblich handelt.“
Wir haben ihr Wohnzimmer kaum erreicht, als Lyonne sich hinsetzt. „Hey, willst du was trinken? Soll ich dir Wasser holen?“, fragt sie. „Lieben Schriftsteller nicht La Croix?“ Ich gebe verlegen zu, dass ich kein Limonaden-Fan bin. Wir verweilen in ihrer völlig leeren Küche („Wenn die Leute von Multitalenten reden, würde ich da nicht selbst kochen“, lacht sie), und sie öffnet den Kühlschrank. „Wie wär’s mit was Spritzigem? Das ist Ananas…“, sagt sie und schnappt sich eine Flasche. „Nein, die brauchst du nicht.“ Schließlich entscheiden wir uns für ein Glas Wasser.

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Während wir auf dem Sofa unsere Methodik entwickeln, nippt Lyonne an einer „Tonight Expose“-Tasse und macht dort weiter, wo sie in ihrer kreativen Leitung aufgehört hat. „Ich denke, es ist sicher und doch klug, so akribisch zu sein, dass man plötzlich schlampig sein kann“, sagt sie. „Es liegt an einer obsessiven Arbeitsmoral, dass man so ungezwungen und unfertig wirkt.“
Johnson zog während der Dreharbeiten zu „Poker Face“ Vergleiche. „Natasha kommt herein und grübelt über jede einzelne Zutat nach“, sagt er. „Und dann führt sie einen Zaubertrick vor, bei dem sie weiß, wie man vor die Kamera tritt und sofort wieder innehält.“
Lyonne fühlte sich zu Beginn ihrer Karriere von Hollywood missverstanden. In ihren Zwanzigern entdeckte sie eine düsterere Sichtweise, als sie sich mit öffentlichkeitswirksamen Problemen auseinandersetzte, die allerdings zu Alkohol- und Drogenmissbrauch führten. Ein großer Trost für sie mit 40 ist, dass sie sich nicht mehr sicher fühlt, wenn andere ihre Erwartungen erfüllen.
„Mit 40 ist es so viel besser als mit 20 oder 30. Es ist so cool. Es ist so viel sexier“, sagt sie. „Mein Liebesleben wird immer schlechter. Damals motiviert, war ich sofort bereit, ausgewählt zu werden. Mit 40 fragt man sich: ‚Wer zieht mich an?‘ Wir werden alle sterben, oder? Also sichere ich mir lieber mein Leben in der Flotte.“
Sie gibt zu, dass sie nicht weiß, wie lange die Zigarettenentwöhnung anhält, und wird sich verzeihen, wenn sie einen Rückschlag erleidet. Doch jetzt hat sich die Realität der „rohen Hunde“-Lebensweise gelohnt, denn sie bestimmt nun ihr nächstes Kapitel.
„Ich nutze die Zeit, um möglichst leicht zu rauchen. Ich werde bald einen Spielfilm instruieren, deshalb habe ich viel Zeit damit verbracht, Bücher zu lesen und Preisänderungen zu recherchieren. Außerdem arbeite ich an meinen Lieblingsdrehbüchern und schreibe bereits geschriebene um“, sagt sie. „Ich weiß nicht, was Rauchen wertvoll erscheinen wird, wenn ich von der Interaktion mit all den Substanzen profitiere.“
Wie unten erwähnt, erwähnt Lyonne den Beach-Boys-Song „I Actually Wasn't Made for These Times“. Sie sagt, ihr neu entdeckter Erfolg widerspreche der These des Außenseiter-Manifests der Rockband. „Die meiste Zeit bin ich trotz aller Schwierigkeiten stolz: ‚Oh, vielleicht war ich genau in diesen Momenten die Schnellste.‘ – es ist eine wahre Muse, dass eine Frau dieses im Wesentlichen männliche Diagramm in ‚Poker Face‘ verkörpern darf. Und es ist eine unausgesprochene Zutat, die wir machen.“
Mit Ausnahme der unschuldigen und femininen Megan Bloomfield in „But I’m a Cheerleader“ tendieren Lyonnes Film- und Fernsehpersönlichkeiten eher zu „jetzt ist es nicht leicht, ein ungewöhnlicher Typ in York.“ Sie fühlt sich nun dazu hingezogen, die Muse dessen zu entwickeln, was oder wen auch immer sie als Schauspielerin zum Ausdruck bringen möchte.
„Ich bin ungewöhnlich in dem, was zweifellos als Schwäche oder Frauenheld gelten wird. Ich habe die ganze Zeit Machos gespielt. Ich habe meine gesamte Existenz von De Niro geklaut“, sagt Lyonne und nennt Al Pacino und Stanley Kubrick als einige ihrer frühen Einflüsse. Doch jetzt fragt sie sich: „Was wäre es wert, meine verbale Leistung etwas zu verbessern oder nicht? Was würde als etwas anfälliger gelten oder nicht?“
Ein Beispiel dafür ist, wie sie schließlich den Sprung wagte und das Finale der 47. Staffel von „Saturday Evening Live“ moderierte, einer Sendung, die sie schon immer geliebt hat. „Die aufregendste Woche meines Lebens“, erinnert sie sich. „Es war so spannend. Sie machen tatsächlich einen Kostenvoranschlag, reißen dir die Kleider vom Leib und ziehen dir was anderes an, stecken dir dann eine Zahnspange in den Mund und du profitierst vom Markt. Und ich dachte: ‚Ich bin wie geschaffen für diese Zutat!‘“
Zwischen den Sketchen entspannte sich Lyonne bemerkenswert, als sie mit langjährigen Freunden (Maya Rudolph, Seth Meyers) und sogar einem älteren Freund (Fred Armisen) plauderte. Die „SNL“-Produzenten kamen mit der Ankündigung auf sie zu: „Du musst Angst haben!“ Sie nahm die Einladung gerne an, weil es ihr Freude machte, Teil von etwas Größerem zu sein. Der Komiker John Mulaney schickte per E-Mail seine Vorschläge zur Verbesserung ihres Monologs. Meyers kam im Studio 8H vorbei, um die Wünsche wirkungsvoll darzulegen. Tina Fey schrieb nach der Show eine SMS mit „Herzlichen Glückwunsch“. „Ehrlich gesagt ist mir der familiäre Aspekt dieses Geschäfts am wichtigsten. Meine Freunde sind anstrengend. Ich bin nicht verheiratet und habe Kinder. Sie empfinden trotz allem eine gewisse Wertschätzung für meine Wahlfamilie.“
Okay, unsere Zeit ist um. Ich bin überglücklich, unser Gespräch über diese Art von hoffnungsvollem Leben zu beenden. Lyonne ist geerdet und zentriert – und ich beschließe, dass dieses Verlangen nach Nikotin niemandem gewachsen ist, der so widerstandsfähig und tatsächlich zäh ist. Ich mache mich bereit, mit meinem leeren Wasserglas in der Hand zu gehen, und in einer Sekunde, die mich für den Rest meines Lebens verfolgen wird, lasse ich es wahrscheinlich fallen.
Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße. Das Glas fällt wie in Zeitlupe zu Boden und zerspringt auf dem Wohnzimmerteppich in zehn Millionen Scherben. Überall liegen Scherben herum – groß genug, um zu brennen, und klein genug, dass selbst ein Staubsauger sie nicht beseitigen kann. Ich bücke mich schüchtern, um das Chaos zu beseitigen, aber Lyonne besteht darauf, dass ich von ihr wegkrieche. „Ich wünschte, irgendjemand könnte ihr beruflich das Wasser reichen. Das liegt daran, dass ich im Showbusiness bin, und zwar nur im Kleinen!“ Als ich zur Tür schlurfe, seufzt sie und sagt: „Das wird die Zutat sein, die mich wieder zum Rauchen bringt.“
Styling: Cristina Ehrlich/The Handiest Agency; Make-up: Dotti/Assertion Artists; Haare: Ursula Stephen/A-Frame Agency; Nägel: First Sterling Smooth; Spy 1 (blaues Hemd): Fat Spy: Gucci; Spy 2 (weißer Badeanzug): Fat Spy: Chanel



